Forschung mit Coronabezug

Im Rahmen verschiedener Zusatzmodule oder sonstiger Forschungsaktivitäten setzt sich der Arbeitsbereich aktiv mit den dramatischen Auswirkungen der Corona-Pandemie auseinander. Von der Bereitstellung von Entscheidungshilfen für das Corona-Krisenmanagement über den Einfluss der Corona-Warn-App auf das Entscheidungsverhalten bis hin zu Ansätzten zur Verbesserung der Situation von Einwanderungsarbeitern in der Krise versuchen wir, verschiedene Dimensionen der aktuellen Krise zu erfassen und mithilfe angepasster Ansätze sowie unseres innovativen Methodenrepertoirs letztlich zu einem besseren Verständnis von den Auswirkungen, Implikationen und Maßnahmen dieser Krise beizutragen. Im Folgenden finden Sie eine Auf-listung dahingehender Aktivitäten:

 

1.) COVID-19 Responses Beyond the Silos: A Participatory Modelling Approach for Better Crisis Management

Das Projekt nutzt einen multi-dimensionalen, multi-methodischen Ansatz zur Entwicklung eines europaweiten Policy-Modells, das das Corona-Krisenmanagement dort zu unterstützen vermag, wo dringender Handlungsbedarf bei gleichzeitig hoher Unsicherheit vorherrscht. In dem partizipativen Modellierungsansatz formulieren Entscheidungsträger gemeinsam mit betroffenen Menschen aus der Gesellschaft Problemdiagnosen und mögliche Lösungsansätze. Um der Vielfalt unterschiedlicher Perspektiven und Aspekte Rechnung tragen zu können, werden von der Forschergruppe agentenbasierte Modelle erstellt, die einerseits das Entwickeln von europaweiten Maßnahmen unterstützen, die zugleich das Berücksichtigen regionaler Unterschiede erlauben, und andererseits ein virtuelles Experimentieren mit möglichen Zukunftsszenarien ermöglichen. Zum Generieren von Daten für die Simulationsmodelle werden neben statistischen Analysen ebenso ein europaweites Survey und Rollenspiel-Experimente durchgeführt.

Gesamtkoordination des ProjektsProf. Dr. Petra Ahrweiler
FörderungVolkswagenstiftung
(Noch im Antragsverfahren)
JGU-ProjektleitungProf. Dr. Petra Ahrweiler
Projektpartner- Technological University Dublin
- Università degli Studi di Milano
- Universitat de Girona
- University of Groningen
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im ProjektDr. Martin Neumann
 

2.) Zusatzmodul AI NAVI: Corona+

Im Zusatzmodul zum Hauptprojekt AI NAVI soll im Rahmen einer Fallstudie untersucht werden, welchen Einfluss Künstliche Intelligenz (KI) im Rahmen der deutschen Corona-Warn-App auf die Sinnbildung und das Entscheidungsverhalten der Bevölkerung in Zeiten von Corona hat. Dabei werden a) die Perspektiven der Stakeholder und App-Entwickler, b) die Nutzer-Erfahrung und -Interaktion mit der App durch deutsche Universitätsstudenten sowie c) der Einfluss der App-Nutzung auf die Überzeugungen im Hinblick auf das Entscheidungsverhalten zur Infektionseindämmung untersucht. Alle Arbeiten in diesem Zusammenhang werden von der JGU durchgeführt.

Gesamtkoordination des ProjektsProf. Dr. Petra Ahrweiler
FörderungVolkswagenstiftung
(Bewilligt am 18.08.2020)
JGU-ProjektleitungProf. Dr. Petra Ahrweiler
Projektpartner-
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im ProjektDr. Martin Neumann
Maia Janowitz, M.Sc.
 

3.) Zusatzmodul AI FORA: A Vulnerability Analysis of the COVID-19 Crisis on AI-Based Social Assessment for Migrants' Welfare Provision

Das Zusatzmodul zu AI FORA legt den Fokus auf die von der Corona-Pandemie besonders stark betroffene Bevölkerungsgruppe der Einwanderungsarbeiter. Durch einen Vergleich der aktuellen Situation in Deutschland, Spanien und Indien (Partnerländer im Hauptprojekt) soll ergründet werden, welche kontextspezifischen politischen Entscheidungen und Maßnahmen zum Ermöglichen von sozialem Empowerment nötig sind, um langfristig den Druck auf staatliche Sozialdienstleistungen und daraus erwachsene Instabilität zu reduzieren. Dazu sieht das Projekt das Durchführen von Fallstudien in jedem der Länder vor. Unter Anwendung von kontextspezifischen Datenanalysen, Blockchain-Technologien und einem KI-basierten Skills-Mapping soll schließlich ein verantwortungsvoller Rahmen für das Co-Design von neuer Technologie geschaffen werden. Die JGU wird wie alle anderen Partner eine Fallstudie sowie alle damit verbundenen Arbeiten durchführen.

Gesamtkoordination des ProjektsProf. Dr. Petra Ahrweiler
FörderungVolkswagenstiftung
(Noch im Antragsverfahren)
JGU-ProjektleitungProf. Dr. Petra Ahrweiler
Projektpartner- Universitat de Girona
- University of Madras
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im ProjektDr. Martin Neumann
 

4.) Publikation: Computational Models That Matter During a Global Pandemic Outbreak: A Call to Action

Die COVID-19-Pandemie sorgt weltweit für einen dramatischen Verlust von Menschenleben und stellt damit unsere Gesundheitssysteme sowie infolge des Lock-Downs auch die Weltwirtschaft und die mentale Gesundheit von Individuen auf die Probe. Auch Wissenschaftler stehen unter steigendem Druck, den von der Politik geforderten Rat zu erbringen, ohne sich dabei auf gesicherte Daten stützen zu können. Experten haben zwar Simulationsmodelle als Grundlage für politische Entscheidungen entwickelt, aber diese vernachlässigen die verhaltensbezogene und soziale Komplexität von Gesellschaften in einer pandemischen Krise. Das Erstellen solcher Modelle hat potentiell sehr großen Einfluss auf das Leben der Menschen und ist folglich mit großer Verantwortung verbunden. Dieser Artikel ist daher ein Aufruf an die wissenschaftliche Gemeinschaft, ihre Modelle transparenter, zugänglicher und präziser zu gestalten und ein Appell an alle Stakeholder, vertrauenswürdige Daten schneller der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Die Antwort auf diese Pandemie ist ein Stresstest für die wissenschaftliche Zusammenarbeit und den sozialen / ökonomischen Wert der Forschung.

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